Es war nicht immer so, dass ich in der Kirche fest verankert und in tiefem Glauben und Vertrauen auf unseren Herrn Jesus Christus gelebt habe. Es war ein mühevoller, jahrzehntelanger Weg, bis ich endlich, geführt von der Gottesmutter, den gefunden habe, der meine innere Sehnsucht stillen und meinem Leben Sinn geben konnte, Jesus Christus!
Ich bin mit sechs Geschwistern in einer gottlosen Familie aufgewachsen. Mein leiblicher Vater starb als ich acht Jahre alt war. Meine Kindheit und Jugend waren geprägt von Armut und Hunger, von Gewalt in der Familie, ein gott- und kirchenfeindliches Leben, mit einem Stiefvater, der von uns Kindern abgelehnt wurde und von dem auch wir nur Ablehnung erfahren haben.
Es war für mich eine Erlösung, als ich nach Absolvierung der Handelsschule aus der engen Zimmer-Küche-Wohnung ausziehen und in einem Zimmer als Untermieter einen eigenen Haushalt gründen und über ein eigenes Einkommen verfügen konnte.
In dieser Zeit habe ich zufällig am Grazer Freiheitsplatz P. Leppich sprechen gehört. Sofort, obwohl noch völlig ungläubig, ist in mir der Wunsch hochgekommen, für drei Jahre in ein afrikanisches Land in die Mission zu gehen. Der Pfarrer, den ich daraufhin aufgesucht habe, hat mir aber geraten, lieber zu heiraten und eine gute Mutter zu werden, weil ich inzwischen meinen künftigen Mann kennengelernt hatte. Erst nach 40 Jahren einer schwierigen Ehe – mein Mann war zunächst ungläubig wie ich, dazu Raucher, Trinker und Spieler – hatte ich die Möglichkeit, mir meinen Jugendtraum zu erfüllen und in Afrika für unsere Kirche eine Missionstätigkeit aufzunehmen. Da ich Armut und Hunger in meiner Kindheit und Jugend mit all ihren Auswirkungen auf Schule und Gesellschaft selbst erlebt hatte, habe ich besonderes Verständnis und eine besondere Liebe zu den Armen.
Ich glaube, deshalb hat mich Gott zunächst nach Kroatien und nach Bosnien geführt, wo damals in einem fürchterlichen Bürgerkrieg tausende Menschen, Frauen mit unmündigen Kindern Zuflucht in Flüchtlingslagern gesucht und gefunden haben. Ich erinnere mich noch gut daran, wie unser Pfarrer im Gebetskreis, dem ich mich inzwischen anschloss, weil ich den Kontakt zur Pfarre gesucht habe, plötzlich das Gebet unterbrochen hat. Er erzählte von einem Anruf eines befreundeten Priesters, der dringend um Hilfe für seine Flüchtlinge gebeten hat.
Spontan habe ich einen kleinen Hilfstransport organisiert und wenige Tage später durften sich diese Flüchtlinge über unsere Hilfe freuen. Aus Dankbarkeit über die gelungene Aktion besuchten wir im Anschluss den nahegelegenen Wallfahrtsort Marija Bistrica. Aber auch dort hat uns der Pfarrer gebeten, den etwa 1.000 Flüchtlingen zu helfen, die in seiner Pfarre Unterschlupf gefunden haben.
Von nun an fuhr ich mit einigen Helfern, sieben Jahre lang, fast jedes Wochenende in dieses Lager und habe die Flüchtlinge mit allem versorgt, was sie brauchen: Lebensmittel, Bekleidung, Medikamente, Heilbehelfe, Schulmaterial, Spielzeug, Möbel… Dabei habe ich wahre Wunder erlebt, die sowohl für mich, als auch für meine Begleiter augenscheinlich waren.
So habe ich einmal von jemand 5.000 Schilling für unsere Flüchtlinge erhalten. Damit ging ich in ein Schuhgeschäft und bat um Schuhe für diesen Betrag, egal welche Größen, für Kinder, Damen oder Herren. Ich bekam 100 Schuhkartons und brachte diese nach Marija Bistrica. Bevor wir unsere Waren auspackten, erklärte mir unsere Flüchtlingsbetreuerin Milica, dass sie dringend für 96 Schulkinder Turnschuhe brauche, weil in wenigen Tagen Schulbeginn war, nach Möglichkeit hohe, gefütterte Turnschuhe. Wie staunten wir, als wir die Kartons öffneten und alle 96 Kinder fanden ihre gewünschten hohen, gefütterten Turnschuhe in ihrer Größe. Die restlichen 4 Paare passten jenen Kindern genau, die später dazugekommen sind. Wer könnte so etwas planen, ich halte es heute noch für ein Eingreifen Gottes, für ein Wunder.
Ein weiteres Wunder: Für die vielen Kinder und für die alten Leute wurde immer wieder Milchpulver gebraucht. Üblicherweise haben wir Lebensmittel vor den Hofermärkten erbettelt. Aber Waschmittel und Milchpulver mussten stets gekauft werden. So habe ich einmal zwei Tonnen Milchpulver für 50.000 Schilling bei einer Firma in Hartberg bestellt, wusste aber nicht, woher das Geld nehmen.
In der Frühmesse, in die ich jeden Tag vor dem Büro ging, habe ich das Anliegen der Gottesmutter ans Herz gelegt. Damals wurde jeweils am Freitag in der Dreifaltigkeitskirche in Graz mit Pfarrer Sterninger eine Jugendmesse gefeiert. Ich bat ihn, diesmal die Kollekte für mein Milchpulver abzutreten. Durch seinen Aufruf „Scheinwerfer zu spielen“, das heißt, Kleingeld in der Tasche zu lassen und Geldscheine ins Körberl zu werfen, wurden 38.250 Schilling gespendet. Was für die Jugendlichen eine erstaunlich hohe Spende war, für das Milchpulver aber leider nicht ausreichte.
Bei der nächsten Frühmesse habe ich mich bei der Gottesmutter bedankt, sie aber darauf aufmerksam gemacht, dass ich für das Milchpulver 50.000 benötige. Noch am selben Vormittag wurde ich von der Firma in Hartberg verständigt: Das Milchpulver komme diesmal aus Weißrussland und koste nur 38.250 Schilling. Unter Tränen habe ich festgestellt, dass ich mich nur zur Verfügung stellen brauche, die Muttergottes weiß, was wir brauchen. Sie organisiert alles bestens.
(…) Rückblickend erscheint es mir, als ob all die Jahre mit den Flüchtlingen bloß Lehrjahre gewesen seien, wo ich gelernt habe, die Not der Menschen zu sehen, mit ihr umzugehen und die notwendigen Dinge zu erbetteln. Nun aber führte mich Gott nach Ruanda, in ein Land, in dem ein fürchterlicher Bürgerkrieg gewütet hatte. Eine Auseinandersetzung zwischen zwei Volksgruppen der Tutsi und Hutu. Dabei sollte die Minderheit, nämlich die Tutsi, völlig ausgerottet werden. In diesem Krieg haben etwa eine Million Menschen in nur drei Monaten ihr Leben verloren.
Durch Patenschaften wurde damals in unserer Pfarre vielen Seminaristen das Priesterstudium ermöglicht. Auch P. Ubald ging aus einer solchen Unterstützung hervor. Er war selbst Opfer des Genozids: 84 Angehörige seiner Familie sind bei dieser Auseinandersetzung ermordet worden. Nach seiner Flucht, zu der ihn sein Bischof gedrängt hatte, nahm ihn zunächst unsere Pfarre auf. Völlig verzweifelt, glaubte er, nicht mehr Priester sein zu können, weil er dem Mörder seiner Familie nicht verzeihen konnte.
Erst in Lourdes erfuhr er Heilung und Umkehr. Beim Beten des Kreuzweges hörte er bei der 2. Station plötzlich die Stimme: „Ubald nimm auch Du Dein Kreuz an!“ Umgehend kehrte er nach Ruanda zurück, ging in das Gefängnis und verzieh dort dem Mörder seiner Familie. Den Kindern des Mörders wurde er sogar ein Vater: Nachdem deren Mutter verstorben war, hat für sie gesorgt und bezahlt noch heute die Kosten für deren Ausbildung an der Hochschule. Seither bemüht sich P. Ubald, die zutiefst verletzten, von Hass und Rache erfüllten Menschen, wieder mit einander zu versöhnen. Wegen des Zeugnisses seines Lebens ist er für viele ein glaubwürdiges Beispiel der Versöhnung geworden.
Während eines weiteren Österreichaufenthaltes haben wir ihn nach Schio und Medjugorie geführt. In Schio erfuhr er vom Leben der Heiligen Bakhita, einer Afrikanerin, die als Kind von Sklavenhändlern entführt worden war, dann Furchtbares erlitt, ihren Peinigern aber verziehen hat. In Medjugorje, wo die Gottesmutter als Königin des Friedens immer noch erscheint, war seine Entscheidung gefallen. Er musste in Ruanda ein Friedenszentrum errichten, von dem aus er alle Menschen in seinem Land und den benachbarten Staaten erreichen konnte.
Mit Hilfe der heiligen Bakhita, der Gottesmutter wird er die Menschen zur Umkehr bewegen und sie zur Versöhnung und zum Frieden führen. Ein etwa 28 ha großes Grundstück, direkt am Kivusee gelegen, wurde bald gefunden und mit Hilfe einiger Freunde um den stolzen Preis von 200.000 € erstanden. Es ist eine lange und spannende Geschichte, wie die Statuen der Gottesmutter und von Sr. Bakhita in dieses Friedenszentrum gelangt sind. Fakt ist es aber: sie sind nun dort und täglich finden sich schon jetzt viele tausend Menschen ein, um in Gebet und Anbetung Frieden zu finden. Schon bei der Ankunft der lebensgroßen Statue der „Königin des Friedens“ haben sich etwa 25.000 Menschen eingefunden. Zunächst aber ist es wichtig, das Grundstück aufzuschließen, sowie Unterkünfte und sanitäre Anlagen zu errichten. Dies alles erfordert noch viel Geld. Aber ich bin zuversichtlich, dass dieses Zentrum von Gott gewollt ist und seine Vollendung finden wird.
Einmal durfte ich im KTV über meine Missionsarbeit in Ruanda sprechen, dabei habe ich auch erzählt, dass ich in einem einschichtigen Dorf eine Kirche bauen sollte, damit die Menschen dort sonntags nicht stundenlang über schmale, steile Pfade zur Kirche gehen müssen. Dabei habe ich auch gefragt: „Wer hat schon die Gnade, in solch einem entlegenen Dorf für Jesus ein Haus zu bauen?“
Prompt sprach mich wenige Tage später eine Frau, eine einfache Bauernmagd, schon in Pension, in der Kirche an: „Ich möchte diese Gnade haben und Jesus ein Haus bauen! Tatsächlich hat sie diese Kirche mit den Ersparnissen ihres ganzen Lebens bezahlt. Dankbar stellte ich wieder einmal fest, dass mein Ja genügt und Gott macht das Übrige.
Im Vertrauen auf Gottes Hilfe und die Hilfe der Heiligen Gottesmutter konnte ich in den vergangenen 10 Jahren bereits 10 Kirchen bauen und dazu auch einige Pfarrhäuser. Tausende Rosenkränze, 1.300 Kilo Heiligenbilder sowie Medaillen aus Medjugorje wurden schon an die Bevölkerung verteilt, bzw. dem Bischof und den Pfarrern überlassen.
Mein Ziel ist es, mich auch künftig vehement für die Armen einzusetzen, ihre Lebenssituation nachhaltig zu verbessern, ihnen zu zeigen, dass wir sie liebhaben und alles zu tun, was die Ausbreitung des Glaubens an unseren Herrn Jesus Christus fördert. Dass es mir immer gelingt, Menschen zu finden, die diese Projekte unterstützen, die ja immer Kosten verursachen, halte ich für ein gnädiges Eingreifen der Gottesmutter und unseres Herrn Jesus Christus,, auf die ich mein ganzes Vertrauen und meine Hoffnung setze.